Ausstellungen und Veranstaltungen im Jahr 2012

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Geschäft und Risiko

Dr. Gerhard Seibold (Crailsheim)

Geschäft und Risiko
Insolvenzen erschüttern die Augsburger Wirtschaft in der Frühen Neuzeit

Im Verlauf des gesamten 18. Jahrhunderts wurde die schwäbische Reichsstadt einigermaßen regelmäßig von Konkursen heimischer Geschäftsleute erschüttert. Damit wiederholte sich, was bereits zu Ende des 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts maßgeblich war, wobei Ursache und Konsequenz sehr unterschiedlich sein konnten. Am Beispiel der Unternehmen von Samuel Bertermann, Hößlin & Falck, Georg Jakob Köpff und Paul Schwarz wird dieses Geschehen transparent.

Vortrag des Historischen Vereins für Schwaben
28. November 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

475 Jahre Stabi - Zeit des Übergangs (1806-1818)

Edith Seidl M.A. (Augsburg)

Zeit des Übergangs (1806-1818)
Von der Stadtbibliothek zur Vereinigten Königlichen Kreis- und Stadtbibliothek Augsburg

Mit dem Übergang der Reichsstadt Augsburg an das Königreich Bayern 1806 wurden sofort alle Handschriften der alten Stadtbibliothek, darunter die berühmten griechischen Codices, sowie viele Frühdrucke in die königliche Hofbibliothek nach München überführt. Doch brachte das Ende der reichsstädtischen Zeit nicht nur Verluste. Augsburg wurde Sitz der neu gegründeten schwäbischen Kreis- und Provinzialbibliothek, in der die Bestände der alten Stadtbibliothek mit den Bibliotheken der aufgelösten Augsburger Stifte und Klöster vereinigt wurden. In den folgenden Jahren erhielt die Bibliothek weitere bedeutende Zugänge aus schwäbischen Klöstern und anderen kirchlichen Institutionen. Allerdings verblieben alle diese Bücher im Besitz des bayerischen Staates. 1818 umfasste die damalige Vereinigte Königliche Kreis- und Stadtbibliothek über 100.000 Bände, die noch heute den wertvollen Altbestand der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ausmachen.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
20. November 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

Ein Stift in der Stadt

Prof. Dr. phil. Dietmar Schiersner (Weingarten)

Ein Stift in der Stadt
Die adligen Stiftsdamen von St. Stephan in Augsburg und ihr reichsstädtisches Umfeld in der Frühen Neuzeit

Immer wieder liest man, wie sehr die adligen Damen zu St. Stephan auf "Exklusivität" bedacht waren. Das ist zwar nicht falsch, betrifft aber nur deren ständisches Selbstverständnis. Tatsächlich gab es zwischen Stift und Stadt zahlreiche Kontakte. Nicht nur die bekannten politisch-konfessionellen Konflikte während der Reformationszeit zählen dazu, als die Zechpfleger von St. Stephan das Regiment der angeblich zenngkischen Frauen über die Kirche abschütteln wollten. Die meisten Berührungspunkte waren eher alltäglich, aber umso zahlreicher und beständiger. Deutlich wird das zum Beispiel, wenn man die Stiftsdamen einmal als Konsumentinnen von Waren und Dienstleistungen in den Blick nimmt. Verlassenschaftsinventare, Testamente oder die mit barockem Pomp begangenen Beerdigungen gewähren einen kulturgeschichtlich überaus plastischen Einblick in die ökonomischen Verflechtungen. Sie zeigen z.B., wo Franziska Schliderin von Lachen ihren Schnupftabak bezog oder bei welchen Apothekern der Reichsstadt sich Anselmina von Bodman bevorzugt mit Mittelchen für ihre Verdauung eindeckte. Solche konsumgeschichtlichen und eine ganze Reihe weiterer alltagshistorischer Berührungspunkte zwischen adligen Bewohnerinnen, Institutionen und Bürgern der Reichsstadt stehen im Zentrum des Vortrags.

Vortrag des Historischen Vereins für Schwaben
31. Oktober 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

unter sieben dächern

unter sieben Dächern

Die alte Stadtbibliothek in Ansichten aus 330 Jahren
1563 bis 1893

In diesem Jahr sind 450 Jahre vergangen, dass der Grundstein zum Gebäude der alten Stadtbibliothek im Annahof gelegt wurde.

Aus diesem Anlass und auch zum 475-jährigen Bestehen der Staats- und Stadtbibliothek zeigt diese Ansichten des Gebäudes aus den 330 Jahren dessen Bestehens, von 1563 bis 1893.

Ausstellung im Foyer der Staats- und Stadtbibliothek

23. Oktober 2012 bis
1. Februar 2013

Katalog der Ausstellung als pdf

475 Jahre Stabi - Unter sieben Dächern

Ulrich Heiß M.A. (Wien)

Unter sieben Dächern
Baugeschichte und Rekonstruktion der alten Stadtbibliothek von 1562/63

Ziel des Vortrags ist es, aus allen erreichbaren Quellen und Befunden einen aus dem Stadtbild und dem Stadtgedächtnis verschwundenen Renaissancebau wieder sichtbar zu machen. Es gibt Ansichten der alten Stadtbibliothek in Stichen und Plänen, es haben sich ein paar dreidimensionale Baudetails erhalten, es gibt die Grabungsbefunde aus der Zeit des Baus der Anna-Tiefgarage, dazu kommen Bauakten und Baubeschreibungen und sogar ein Foto kurz vor dem Abriss 1894. Aus all diesen Quellen lässt sich das Gebäude in seiner Funktion und Dimension gut rekonstruieren. Die architekturhistorische Bedeutung als singuläres Beispiel eines städtischen Bibliotheksbaus des 16. Jahrhunderts und seine Stellung innerhalb der profanen Renaissancearchitektur nördlich der Alpen wird dadurch besser verständlich.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
23. Oktober 2012, 19.30 Uhr 
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

Augsburger Handelshäuser - Augsburger Familienvermögen - Augsburger Grundstücksverkehr

Prof. Dr. iur. Christoph Becker (Hauptvortrag) und Mitarbeiter
Dr. iur. Peter Kreutz, Assessorin iur. Nicola Birk, stud. iur. Mehmet Pektas (anschließende Kurzreferate) am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Zivilverfahrensrecht, Römisches Recht und Europäische Rechtsgeschichte (Universität Augsburg):

Augsburger Handelshäuser - Augsburger Familienvermögen - Augsburger Grundstücksverkehr
Ein Werkstattbericht über die rechtshistorische Bearbeitung frühneuzeitlicher Urkundenbestände aus dem Stadtarchiv Augsburg

Im Stadtarchiv Augsburg hat sich neben umfangreichen Akten des Stadtgerichts ein weitgehend vollständiges Notariatsarchiv aus der Frühen Neuzeit erhalten, nämlich die Akten des Notars Johann Spreng (1524-1601). Die von Stadtgericht und Notar aufgenommenen Urkunden bilden die Vielfalt der wirtschaftlichen Verhältnisse der frühneuzeitlichen Augsburger Familien ab. Sie weisen Grundstücksübertragungen, Erbfolgen, Kreditgeschäfte, Bestellung von auswärtigen Niederlassungsleitern und viele weitere Vorfälle nach. Die rechtshistorische Perspektive versucht, aus den Urkunden Aufschluss über das praktische Zusammenspiel von örtlichem Recht (Stadtrecht), Reichsrecht (Reichsgesetzen) und europäischem gemeinem Recht (ius commune) zu gewinnen. Der Vortrag soll einen Einblick in die dazu am o.g. Lehrstuhl betriebenen Forschungen vermitteln.

Vortrag des Historischen Vereins für Schwaben
26. September 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

475 Jahre Stabi - 1544

Prof. Dr. Brigitte Mondrain (Paris)

1544
100 griechische Handschriften begründen den Weltruhm der Augsburger Stadtbibliothek

1544 erwarb der Augsburger Rat für die neu gegründete Stadtbibliothek eine Sammlung von 100 griechischen Handschriften, die von einem bekannten griechischen Buchhändler und Gelehrten in Venedig angeboten worden war. Bei diesem ganz außergewöhnlichen Ankauf spielten humanistische Einflüsse auf den Rat eine entscheidende Rolle. Die spektakuläre Erwerbung machte die Stadtbibliothek auf einmal zu einer weltweit einzigartigen Institution. Der Vortrag wird erläutern, worum es sich bei diesen Handschriften, die sich sowohl durch ihre Anzahl als auch durch ihre Qualität auszeichnen, handelt, woher sie ursprünglich kamen und wie sie in Augsburg benutzt und für Texteditionen herangezogen wurden.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
18. September 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

Genealogische Quellen zu Augsburg

Genealogische Quellen zu Augsburg
im Bestand der Staats- und Stadtbibliothek

Ausstellung anlässlich des 64. Deutschen Genealogenkongresses in Augsburg 2012

 

Foyer der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

30. August bis 28. September 2012

475 Jahre Stabi - "Ce magnifique Bibliothèque de la Ville"

Dr. Helmut Gier (Augsburg)

"Ce magnifique Bibliothèque de la Ville"
Die Augsburger Stadtbibliothek in alten Reisebeschreibungen

Die alte Stadtbibliothek im Annahof war seit ihrer Erbauung 1562/63 stolzes Vorzeigeobjekt des Augsburger Rats und bis ins 19. Jahrhundert Ziel von Bildungsreisenden und Gelehrten aus ganz Europa. Etliche der Besucher hielten ihre Eindrücke in teils gedruckten, teils handschriftlich überlieferten Beschreibungen fest. Diese Reiseberichte sind sowohl ein wichtiges Zeugnis für das Ansehen, das die Stadtbibliothek weit über die Grenzen des Alten Reiches hinaus genoss, als auch eine wertvolle Quelle für die Rekonstruktion des 1894 abgebrochenen Gebäudes und seiner Ausstattung. 

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
17.7.2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

Augsburg und die frühen Staufer

Dr. Christof Paulus (Augsburg)

Augsburg und die frühen Staufer

Die Bischofsstadt Augsburg spielte für die frühen Staufer eine bedeutende Rolle auf vielen, miteinander verzahnten Ebenen, nicht zuletzt als Ausgangspunkt für die Italienzüge des Herrschers. Ausgehend von der Arbeit am Repertorium der deutschen Königspfalzen, einem Großprojekt, welches die Orte der Herrschaft im früh- und hochmittelalterlichen Reich zu profilieren sucht, werden die Aufenthalte der Zentralgewalt im 12. Jahrhundert, vornehmlich Lothars III. († 1137), Konrads III. († 1152) und Friedrichs I. Barbarossa († 1190), vergleichend analysiert, um abschließend die Frage nach der Bedeutung der wechselseitigen Beziehung von König und Stadt zu stellen.

Vortrag des Historischen Vereins für Schwaben
27. Juni 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

475 Jahre Stabi - "Da unter der Erde vergrabene Schätze keine Frucht bringen ..."

Dr. Magnus Ulrich Ferber (Bonn)

"Da unter der Erde vergrabene Schätze keine Frucht bringen ..."
Die Augsburger Stadtbibliothek unter David Hoeschel (1593–1617)

Als David Hoeschel, der selbst das Annagymnasium besucht hatte, 1593 Rektor der Schule und somit auch Leiter der Augsburger Stadtbibliothek wurde, setzte er sich zum Ziel, den dort vorhandenen bedeutenden Bestand an griechischen Handschriften der gelehrten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dem diente zunächst die Zusammenstellung eines ausführlichen gedruckten Katalogs, dann aber auch die konsequente Edition der Handschriften in Buchform. Zu diesem Zweck gründete Hoeschel mit seinem Freund Marx Welser, der als Stadtpfleger die Stadtbibliothek auch politisch unterstützte, sogar einen eigenen Wissenschaftsverlag. Unter Hoeschel und Welser erlebte der Humanismus in Augsburg eine Spätblüte, der in diesem Vortrag nachgegangen werden soll.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
26. Juni 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

475 Jahre Stabi - Vom Provisorium zum eigenen Haus

Dr. Helmut Zäh (Augsburg)

Vom Provisorium zum eigenen Haus
Die ersten 50 Jahre der Augsburger Stadtbibliothek (1537–1593)

Als die Stadtbibliothek 1537 gegründet wurde, nahm sie zunächst die Bücherbestände des verlassenen Karmeliterklosters St. Anna sowie einen Teil der Bücher des Dominikaner-klosters St. Magdalena auf, wurde aber rasch durch gezielte Neuerwerbungen erweitert. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehen hatte sie noch kein festes Domizil, sondern wechselte mehrfach ihren Standort in leerstehenden Klöstern, bis für sie 1562/63 im Annahof ein eigenes Gebäude errichtet wurde. Unter dem seit 1557 amtierenden Stadtbibliothekar Hieronymus Wolf, einem europaweit bekannten Gelehrten, entwickelte sie sich zu einer der bedeutendsten Einrichtungen im deutschsprachigen Raum.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
5. Mai 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

475 Jahre Stabi - Kirchenordnung, Schulorganisation und Bibliotheksgründung

Prof. Dr. Rolf Kießling (Augsburg)

Kirchenordnung, Schulorganisation und Bibliotheksgründung
1537 als Epochenjahr der Augsburger Geschichte

Das Jahr 1537 ist nicht nur das Gründungsjahr der Stadtbibliothek, sondern ein wichtiges Datum in der Geschichte Augsburgs überhaupt: Mit dem Beschluss des Großen Rates, ausschließlich den reformatorischen Gottesdienst zuzulassen und die anders denkenden Stifte und Klöster ins Exil zu zwingen, wurde Augsburg (fast) rein evangelisch. Das hatte eine ganze Reihe von Konsequenzen: Zum einen konzipierte man eine Kirchenordnung, angereichert durch eine Zucht- und Policeyordnung. Zum anderen wurde das Bildungswesen neu gestaltet und der Rat übernahm die Aufsicht über das gesamte Schulwesen. Und zum dritten schritt man zur Gründung einer städtischen Bibliothek – denn das gesammelte Wissen sollte die geistigen Grundlagen für das städtische Gemeinwesen bereitstellen. Dahinter zeichnet sich ein neues Konzept des Selbstverständnisses von den Aufgaben einer Stadt ab.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
475 Jahre Staats- und Stadtbibliothek
24. April 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

Der Augsburger Optiker Johann Wiesel

Der Augsburger Optiker Johann Wiesel
(1583 –1662)
und seine Nachfolger

 

Ausstellung zum 350. Todestag des ersten gewerblichen Fernrohrbauers in Deutschland

Foyer der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

29. März bis 8. Juni 2012

Augsburger Schätze in Stuttgart

PD Dr. Hans-Martin Kaulbach

Augsburger Schätze in Stuttgart
Das Geschlechterbuch von Hans Burgkmair d.J. und Heinrich Vogtherr d.J.

Das „Augsburger Geschlechterbuch“ von Hans Burgkmair dem Jüngeren und Heinrich Vogtherr dem Jüngeren entstand 1545/47. Es zeigt die Wappen der alten und der 1538 durch die Ratsvermehrung neu in das Patriziat aufgenommenen Familien. Die Figuren der Wappenhalter gehen auf Vorbilder von Hans Burgkmair dem Älteren zurück, teilweise auch auf Stiche des 15. Jahrhunderts.

Durch den Erfolg des konkurrierenden „Geschlechterbuchs der löblichen Stadt Augsburg“ von Paul Hector Mair mit Holzschnitten von Christoph Weiditz II blieb das Projekt von Burg­kmair/Vogtherr unvollendet. Erst Wilhelm Peter Zimmermann druckte von den erhaltenen Eisenplatten 1618 eine Ausgabe als „Erneuertes Augsburger Geschlechterbuch“.

Der Stuttgarter Band mit 43 Vorzeichnungen und 53 Probedrucken der Radierungen bietet Einblicke in die Arbeitsweise der Künstler. Er wurde 1945 am Auslagerungsort von einem amerikanischen Soldaten gestohlen und kehrte nach einem Gerichtsurteil in New York 2010 in die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart zurück.

Der Band ist Kern der Ausstellung „Das Augsburger Geschlechterbuch – Wappenpracht und Figurenkunst“ in der Staatsgalerie Stuttgart“ vom 03.03. bis  24.06.2012.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
Schätze der Staats- und Stadtbibliothek
13. März 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

Die Lebenswelt des kleinen Mannes

Dr. Karl Borromäus Murr (Staatliches Textil- und Industriemuseum, Augsburg)

Die Lebenswelt des kleinen Mannes
Annäherungen an die Biographie des Augsburger Fabrikarbeiters, Kapuziners und Laternenanzünders Jakob Gruber (1874–1954)

Die Beschäftigung mit dem Leben Jakob Grubers führt mitten hinein in die Lebenswelt der sozialen Unterschicht Augsburgs gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Schon als Zwölfjähriger begann Jakob Gruber, in der Baumwollspinnerei am Stadtbach zu arbeiten. Mit 22 Jahren trat er in den Kapuzinerorden ein, dem er jedoch drei Jahre später den Rücken kehrte. Bald darauf verheiratet, schlug sich Jakob Gruber in Augsburg als Schneider, Spinnereiarbeiter und Laternenanzünder durch.

Vortrag des Historischen Vereins für Schwaben
6. März 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

Kolonialismus in der Heimat

Dr. Markus Seemann (Hauptstaatsarchiv Dresden/Archivschule Marburg)

Kolonialismus in der Heimat
Die Kolonialbewegung in Augsburg und Regensburg

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ man sich auch in Bayern von der Kolonialeuphorie anstecken. Man gründete Ortsgruppen der Deutschen Kolonialgesellschaft, organisierte Kolonialschauen und veranstaltete Heimatabende zugunsten von Schutztruppensoldaten. Im lokalen Vergleich zeigen sich unterschiedliche Ausrichtungen: Während in Regensburg der Kolonialgedanke mit dem Wunsch nach kultureller und wirtschaftlicher Durchdringung des Ostens einherging, versuchte sich die Kolonialbewegung in Augsburg in eine Traditionslinie bis hin zu Bartholomäus Welser dem Älteren einzureihen.

Vortrag des Historischen Vereins für Schwaben
16. Februar 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei

Schätze der Stabi - Von der Meerjungfrau Melusine

Dr. Hans-Jörg Künast (Augsburg)

Von der Meerjungfrau Melusine
Erfolgsgeschichte eines Romans vom 14.-19. Jahrhundert

Der „Melusine“-Roman gehört zu den populärsten Lesestoffen in ganz Europa vom ausgehenden Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Das zentrale Thema des Romans ist ein Tabu und sein Bruch. Die ältesten Erzählungen um den Sagenkern der scheiternden Verbindung einer Fee mit einem jungen Adeligen sind seit dem 12. Jahrhundert überliefert. Erste Textfassungen entstanden für den französischen Hochadel am Ende des 14. Jahrhunderts. Eine dieser französischen Vorlagen wurde 1456 von dem Berner Patrizier Thüring von Ringoltingen ins Deutsche übersetzt und bearbeitet. Erstmals gedruckt wurde die deutsche Bearbeitung fast gleichzeitig in Augsburg und Basel um das Jahr 1473/74. Aus den folgenden 400 Jahren sind noch 70 Ausgaben nachweisbar. Es dürfte jedoch noch zahlreiche weitere Auflagen gegeben haben.

Im Vortrag wird diese lange Überlieferungsgeschichte vorgestellt. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie haben die Textbearbeiter, Drucker und Buchillustratoren den Roman bearbeitet, damit er für das Lesepublikum verständlich und interessant blieb. Besonders im 15. und 16. Jahrhundert haben einige Augsburger Drucker und Verleger eine wichtige Rolle bei der Popularisierung der „Melusine“ gespielt.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
Schätze der Staats- und Stadtbibliothek
7. Februar 2012, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

… der milden Mutter Natur mehr Freunde und Bewunderer zu gewinnen …

… der milden Mutter Natur mehr Freunde und Bewunderer zu gewinnen …

Ausstellung zum 200. Todestag des Augsburger Pfarrers Gottlieb Tobias Wilhelm (1758-1811), des Autors der „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte“

 

Ausstellung im Foyer der Staats- und Stadtbibliothek
12. Dezember 2011 bis 31. März 2012

 

Katalog der Ausstellung als pdf

Schätze der Stabi - Gottlieb Tobias Wilhelm (1758-1811) und seine Unterhaltungen aus der Naturgeschichte

Renate Pfeuffer, M.A.

Gottlieb Tobias Wilhelm (1758-1811) und seine Unterhaltungen aus der Naturgeschichte
"…der milden Mutter Natur mehr Freunde und Bewunderer zu gewinnen…"

Im 18. Jahrhundert erlebte die Naturgeschichte ihre Hochblüte. Ihre rasant zunehmenden Entdeckungen und Erkenntnisse wurden in den gebildeten bürgerlichen Schichten zum beliebten Gegenstand von Gespräch und Lektüre. Naturgeschichtliche Werke schossen nach der Feststellung eines Zeitgenossen „wie Pilze aus dem Boden". Die populäre Naturgeschichte als neue literarische Gebrauchsform entstand.

Einer der erfolgreichsten Autoren dieses Genres war der Augsburger Pfarrer Zu den Barfüßern Gottlieb Tobias Wilhelm. Seine „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte" umfassen komplett 27 Bände mit mehr als 1.500 Kupfer-tafeln namhafter Augsburger Künstler. Die Verbreitung des Werkes ist anhand von Subskribentenverzeichnissen rekonstruierbar. Alleine die Augsburger Subskribenten bestellten mehr als tausend Exemplare.

Wilhelm gehörte zu dem Kreis von Augsburger Naturliebhabern, die unge-hinderten Zugang hatten zu Bibliothek und Naturalienkabinett des Bankiers Ritter Joseph Paul von Cobres. Dort konnte er die wichtigsten alten und neuen Werke der Naturgeschichte studieren, von denen einige der kostbarsten über-haupt nur in wenigen Exemplaren vorlagen. Die Sammlungen von Cobres suchten ihresgleichen in Deutschland und galten für Besucher der Reichsstadt als touristisches Muss.

Anlässlich des zweihundertsten Todestags Gottlieb Tobias Wilhelms am 12. Dezember 2011 soll an Person und Werk dieses Augsburger Bestseller-Autors ebenso erinnert werden wie an den engagierten Förderer der Augs-burger Naturforschung Joseph Paul von Cobres.

Vortrag der Initiative Staats- und Stadtbibliothek in der Reihe
Schätze der Staats- und Stadtbibliothek
11. Dezember 2011, 19.30 Uhr
Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek
Eintritt frei 

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