Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg und der Historische Verein für Schwaben laden ein zum

Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Wüst (Erlangen)

DIE SCHWÄBISCHE HAUSFRAU UND DIE ALTE „GUTE“ POLICEY

ÜBERLEGUNGEN ZU SPARSAMKEIT, SORGFALT, SAUBER- UND SCHICKLICHKEIT

Donnerstag, 16. November 2017
18:30 Uhr
Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Schaezlerstr. 25 | 86152 Augsburg

Eintritt frei

Anmeldung erforderlich

Sorgfalt, Sparsam-, Sauber-, Sittsam- und Schicklichkeit – sie gelten als zeitlose hausfrauliche Tugenden – traten uns bereits in den Policey-Quellen des 15. bis 19. Jahrhunderts in verschiedener Gestalt gegenüber. Ihre Inhalte unterschieden sich vom modernen Denken unseres 21. Jahrhunderts und dem sich seit der Industrialisierung entwickelnden und von der Genderforschung begleiteten Haus-Frauen-Bild. Nehmen wir exemplarisch die Begriffe für Sorgfalt und Sauberkeit heraus, so galten diese Leittugenden meistens im agrarisch geprägten Umfeld der konkreten häuslichen Feuerverhütung. Im Land des Augsburger Heilig-Geist-Spitals holte der Gesetzgeber beispielsweise noch 1764 weit aus: „Da durch das in geheizten stuben und backoefen vorgenommene flachs doerren schon so manche verderbliche feuersbrunsten entstanden sind, dergestalten daß man hierinfalls nicht genug vorsichtigkeit gebrauchen kan, als wird dise gefaehrliche zubereitung so viel es thunlich ist, lediglich verbotten, wann aber dennoch ein anhaltend feuchtes und regenwetter den flachs bey der sonnenhitz zu doerren und darzu folgenden fruehling abzuwarten nicht gestatten wurde, so mag gleichwohlen nachgesehen werden, den backofen tagszeit zu disem endzweck, laenger aber nicht, als biß man in die vesper gelaeutet hat, zu heizen, wann es noch spaether geschehen solte, so hat der obervogt die haußfrau“ um fünf Gulden zu bestrafen.

Die Einträge zum Stichwort „Hausfrau“ sind im einschlägigen Schwäbischen Wörterbuch von Hermann Fischer – 1911 in Tübingen erschienen – zwiespältig. Einerseits bestätigt sich die landläufige Meinung ihres geldwerten Charakters im dort zitierten Beleg: „Eine fleissige H[ausfrau] ist die beste Sparbüchse“. Andererseits erfahren wir unter den Synonymen mit einem „Weib, das müssig umherläuft“, auch ökonomisch Beunruhigendes. Das Meinungsbild zur „Schwäbischen Hausfrau“ hat sich seitdem offenbar weiterhin positiv entwickelt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte jedenfalls in ihrem Wirtschaftsteil im Mai des Jahres 2010 angesichts fortlaufend steigender Staatsschulden und Steuerforderungen einen Artikel zum Thema „Die Schwäbische Hausfrau“. Patrick Bernau, gebürtiger Schwabe und Online-Ressortleiter der F.A.Z., schrieb damals, dass es sich die bescheidene schwäbische Hausfrau nicht hätte träumen lassen, einmal zum leuchtenden Vorbild in der deutschen Politik zu werden. So neu war diese Erkenntnis nicht!

Prof. Dr. phil. Wolfgang Wüst ist Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; er beschäftigt sich unter anderem mit frühneuzeitlichen Herrschaftsformen, regionaler Wirtschafts- und Industriegeschichte und Normensetzung in der Frühmoderne.

Anmeldung erforderlich per E-Mail unter sekretariat@sustb-augsburg.de,
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